Inn im Wandel der Zeit
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Der Tiroler Inn im Wandel der Zeit



Der Inn ist mit seinen 510 km Flusslänge (ca. 200 km in Tirol) und seinem Einzugsgebiet von 26.000 km2 der wichtigste Donauzubringer im mitteleuropäischen Raum. Er ist ein typisches "Gebirgsgewässer mit Gletschereinfluss" und bietet für viele Arten wichtige Lebensräume.

Das Inntal ist seit Jahrhunderten zentraler Lebensraum unseres Landes. Dementsprechend groß war seit jeher der menschliche Einfluss auf den Gewässerlebensraum Inn. Vielfältige Nutzungen des Gewässers, etwa als Transportweg oder Energielieferant (Wasserkraftwerke) führten zu massiven Umgestaltungen und Beeinträchtigungen des Flusssystems. So liegen bereits aus dem 13. Jahrhundert schriftliche Aufzeichnungen über Regulierungsmaßnahmen, so genannte „Archen“, vor.

Später wurden groß angelegte Regulierungsmaßnahmen geplant und durchgeführt. Diese haben entscheidend zur Einengung des Flusses im Talbereich geführt und die Auwälder großteils vom Hauptfluss abgeschnitten. Im Zuge der gesteigerten Landgewinnung durch die Land- und Forstwirtschaft wurden diese Auwälder schließlich gerodet und urbar gemacht. Der große Flächenbedarf für Siedlungen, Gewerbe und Industrie vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte schließlich weitere große Verluste für die Augebiete am Inn.

Als letzter massiver Eingriff in den Bestand der Auwälder am Inn ist jedoch der Autobahnbau zu nennen. Für die Trassenführungen wurden zumeist die „billigen“ Auflächen des „Öffentlichen Wassergutes“ (im Besitz der Republik Österreich) herangezogen. Dadurch gingen auch die letzten größeren Auwaldflächen im Inntal verloren. Heute sind nur noch verhältnismäßig kleine Auenreste (ca. 210 ha) im Inntal vorhanden. Auch diese Reste verbliebener Auwaldflächen sind „Öffentliches Wassergut“. Ohne diese Bundesflächen wären heute praktisch keine Innauen in Tirol mehr vorhanden.

Die Wasserkraftnutzung hatte und hat ebenfalls massiven Einfluss auf den „ökologischen Zustand“ des Tiroler Inn. Durch den Bau von Laufkraftwerken in Tirol und Bayern wurden die Jahrtausende alten Wanderwege für Fische und andere Wasserorganismen zu unüberwindlichen Barrieren. Darüber hinaus haben der Schwellbetrieb, insbesondere des grenznahen Schweizer Kraftwerkes Ovella/Martina sowie andere Kraftwerke am Inn den natürlichen Abfluss stark verändert, so dass aufgrund der täglichen Wasserstandsschwankungen große Bereiche des Gewässers praktisch unbesiedelbare „Verödungsflächen“ darstellen.

Heute hat man die Folgen der oft übermäßigen und ökologisch nicht verträglichen Eingriffe erkannt und beschreitet neue Wege. An vielen Flüssen in Österreich haben die Bundeswasserbauverwaltungen der Länder, teilweise in Zusammenarbeit mit dem WWF begonnen, in Pilotprojekten großflächig Flusslebensräume wiederherzustellen.

Die gelungenen Initiativen der Bundeswasserbauverwaltung Tirol zur Wiederherstellung der Fließgewässer z. B. im Tiroler Lechtal, an der Vils, am Kohlenbach in der Gemeinde Schwendt und an der Grossache sind heute international und national als positive Beispiele bekannt und Vorbild für derartige Vorhaben. Dazu wurden von Bund und Land öffentliche Mittel in erheblichem Ausmaß aufgewendet.

Nun sollen ähnliche Projekte die ökologische Bedeutung des Tiroler Inn verbessern. So wurden im Zuge von Ausgleichsmaßnahmen beim Bau der Unterinntaltrasse durch die Brennereisenbahngesellschaft (BEG) bereits maßgebliche Schritte gesetzt. Die Bundeswasserbauverwaltung Tirol will die Erfahrungen der letzten Jahre nun einbringen, um auch am oftmals unbeachteten Hauptfluss in Tirol wieder neue Lebensräume für die Natur sowie attraktive Erholungs- und Erlebnislandschaften zu schaffen.

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